100jährige Geschichte

Das Hauptgebäude der alten Revierförsterei wurde zwischen 1910 und 1920 als einfacher Backsteinbau errichtet.Die Försterei liegt am Rand des Hamburger Staatsforstes auf einem Geestrücken (Sandbüchse - Ausläufer der Holsteinischen Schweiz). Das rund 720ha große Revier Alt Erfrade befindet sich heute immernoch in Besitz der Freien- und Hansestadt Hamburg und es umfasst die Revierteile Alt-Erfrade, Pettluis, Tarbeker Moor und den westlichen Teil von Wulksfelde.

Topographie

Die ehemalige Revierförsterei Alt-Erfrade liegt auf der Geest, die trockene, sandige Plateaulage prägt das Revier ebenso wie die nassen moorigen Niederungsflächen. Die Landschaft ist durch Landwirtschaft mit eingesprengten Waldteilen geprägt. Ackerflächen des letzten Jahrzehnts im wurden mit einem Waldrand versehen und sollen während der Umwandlungsphase in einen stabilen Wald zur Waldgrünerzeugung herangezogen werden. 

Die feuchten, z.T. moorigen Niederungsflächen, dazu gehören auch Wiesen und Weiden, werden z.T.extensiv bewirtschaftet und teilweise, unterstützt durch weiträumige Bepflanzung in Bruchwälder übergehen. Der Jagdbezirk Alt-Erfrade beheimatet eine Vielzahl von Hoch- und Niederwildarten. Damwild ist hier in großen Stückzahlen Standwild. Bis zum Jahr 2013 fand in den Wäldern die s.g. Senatsjadt statt, bei der jagdberechtige Personen aus Wirtschaft und Politik eingeladen wurden, lesen Sie dazu den Zeitungsartikel weiter unten.

Unsere Geschichte beginnt im Jahr 2008

2008 haben meine Frau und ich das Hauptgebäude der Försterei und 2010 das Wirtschaftsgebäude gekauft. Das Wirtschaftsgebäude wurde 2010-2012 entkernt und komplett neu aufgebaut. Gegenüber der alten Försterei befindet sich eine Maschinenhalle (ehem. Pferdestall) in der sich unsere landwirtschaftlichen Geräte befinden. Angrenzend an die Halle befindet sich vier Hauskoppeln. Eine ist für die Winterhaltung der gesamten Herde in zwei Abteilungen vorgesehen, die anderen dienen als weiterer Auslauf in der Übergangs- und Sommerzeit. Die Winterkoppel verfügt über offene Unterstände, damit die Herde bei rauhen Bedingungen wahlweise windgeschützt und trocken stehen kann. Wärend im Sommer die Jungbullen und Färsen auf den Naturschutzflächen unterwegs sind, bleiben die Muttertiere am Hof um Ihre Kälber zur Welt zu bringen.

2015 konnten wir weitere 10ha in direkter Nähe pachten. Dieser Landgewinn ermöglicht weiteren Wachstum unserer Herde. Ende 2015 konnten wir somit bereits 20ha bewirtschaften. Anfang 2016 haben wir uns auf 30ha vergrößert und erstmalig unser eigenes Winterfutter hergestellt. 2017 kamen weiter 10ha Weideflächen hinzu und der Betrieb wuchs auf über 40ha. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Dauergrünland um den Blunker Bach. 2017 wurde ebenfalls eine Maschinenhalle angemietet um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und alle Anbaugeräte und Schlepper unterstellen zu können.

 

Auszug über Daldorf und Alt Erfrade aus den Geschichtsbüchern:

"Ein adeliches Gut an der Landstraße von Segeberg nach Plön, im Itzehoer Güterdistrict, Kirchspiele Bornhöved und Neumünster; der Haupthof liegt 1 1/2 Meilen nördlich von Segeberg, Kirchspiel Bornhöved. Die ältere Geschichte dieses Gutes ist dunkel; es scheint aus dem ehemaligen Gute Daldorf entstanden zu sein (siehe Daldorf) und kommt in den ältern Landesmatrikeln neben diesem nicht vor, obwohl schon im Anfang des 15. Jahrhunderts der Ort Alvesrode erwähnt wird; 1579 besaß es Breide Rantzau, welcher es 1590 an den Statthalter Heinrich Rantzau auf Breitenburg für 10.000 Reichsthaler Courant verkaufte. Dieser erbaute hier ein Wohnhaus nach norwegischer Art aus Tannenbohlen, welches aber seit langer Zeit nicht mehr vorhanden ist, wohl aber dermit Ueberresten eines Walles und Grabens umgebene Burgplatz, der nordöstlich von Daldorf in der Nähe des jetzigen Hofes lag. Nun blieben die Besitzer von Breitenburg Besitzer dieses Gutes, bis es 1845 nach dem Tode des Grafen Conrad zu Rantzau auf Breitenburg als Allodialbesitz zum Concurse kam, worauf es 1850 der Graf Friedrich August zu Rantzau-Breitenburg auf Breitenburg für 15.000 Reichsthaler Courant ankaufte. Das Gut besteht aus dem Haupthofe Erfrade (Alt-Erfrade), den Dörfern Daldorf und Rickling nebst Ricklingerdamm; der Meierhof Neu-Erfrade ist in Erbpacht verkauft, jedoch unter Jurisdiction des Gutes geblieben. Das ganze Gut hat ein Areal von 3.766 Tonnen á 340 Quadratruthen, worunter Acker und Wiesen 2.113 Tonnen, Gemeinheits- und Holzgründe 1.009 Tonnen, und Weide, Wege Sand und Lehmgruben 544 Tonnen (15 Pflug, 2.715 Steuertonnen, 76.885 Reichsthaler Reichsmünze Steuerwert)."

 

Senatsjagd - Hier Zeitungsbericht aus 2013 Quelle: LN-Online mit dem Titel:

Kritik an geheimer Staatsjagd

Hamburger Wirtschaftsbehörde lud prominente Gäste in den Forst Alt-Erfrade bei Bad Segeberg. Die Grünen üben deutliche Kritik.

Hamburg Jagdgesellschaften zu geben, war einst das Privileg der Fürsten. Als „Staatsjagd“ wurde die gemeinsame Hatz der Mächtigen aufs Wild später fortgesetzt, in einigen Bundesländern, in der DDR sowieso. Dann kam sie langsam aus der Mode. Ausgerechnet die sonst so bürgerliche Freie und Hansestadt Hamburg lässt die Sitte wieder aufleben — und das mitten in Schleswig-Holstein.

Der Forst Alt-Erfrade bei Bad Segeberg gestern Vormittag: 26 geladene Gäste wollen es krachen lassen, ihre Flinten und Büchsen auf Reh, Hirsch, Wildschwein, Fuchs und Waschbär anlegen. Frank Horch, der Wirtschaftssenator des SPD-Senats, begrüßt sie persönlich. Schließlich ist er hier der „oberste Jagdherr“ — das Stück Wald, in dem es dem Wild ans Leder gehen soll, gehört samt Revierförsterei der Hansestadt. Für den Abend hat er im „Immenhof“ im nahen Schackendorf Tische reservieren lassen — man will einen Teil der Strecke gleich vor Ort verzehren.

Daheim in Hamburg sorgt das für Empörung. Die Grünen fahren schweres Geschütz auf, sprechen von „feudaler Brauchtumspflege“. Es müsse sofort Schluss sein mit diesem „Halali, dieser Hatz im Namen der Stadt“, fordert Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. Nach Protesten der Grünen in den 80ern sei die Veranstaltung für mehrere Jahre abgesagt worden. Dann habe der Senat sie aber anscheinend klammheimlich wieder aufleben lassen.

In der Hamburger Wirtschaftsbehörde wird die Jagd tatsächlich wie eine Staatsaffäre behandelt. Die Gästeliste? „Geheim“, sagt eine Sprecherin und verweist auf die Senatsantwort auf eine Grünen-Anfrage in der Bürgerschaft. „Die Auswahl erfolgt unter dem Gesichtspunkt, dass Kontakte zwischen Wirtschaft und Politik gepflegt werden sollen“, heißt es darin nur. Das sei auch bei Jagden 2011 und 2012 so gewesen. Ach ja: und unter den Jagdgästen habe sich „keine Jägerin“ befunden. Eine „Unterrichtung der Öffentlichkeit“ finde nicht statt. Und die Teilnehmerlisten veröffentliche man nicht, „weil das schutzwürdige Interesse der Teilnehmer überwiegt“. Es gäbe ja heutzutage so viele militante Tierschützer, erklärt die Wirtschaftsbehörden-Sprecherin auf Nachfrage. Der Senator sei im Übrigen gerade nicht zu erreichen. Und auch der „Immenhof“ wurde zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet.

Jens Kerstan hat seine eigene Erklärung für diese Geheimhaltung: Horch wisse offenbar selber ganz genau, dass die Tage gezählt seien, in denen man annahm, Wirtschaftskontakte würden besonders gut gedeihen, „wenn Männer gemeinsam auf Tiere schießen“. Mit zeitgemäßem Politikverständnis habe das wenig zu tun. Auch im Kieler Umweltministerium verfolgt man die Hamburger Jagdveranstaltung mit Kopfschütteln. „Es ist schon seit langem nicht üblich, dass die schleswig-holsteinische Landesregierung förmliche Staatsjagden abhält — wir haben ja auch keinen König“, sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die jetzige Landesregierung werde daher „nicht auf Kabinettsjagd gehen“. 2005 hatte es tatsächlich einen Versuch gegeben, eine solche Staatsjagd im Land einzuführen. Der damalige CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen — der auch schon Gast auf der Hamburger Jagd gewesen sein soll — hatte 120 Gäste geladen. Es hagelte Proteste von Tierschützern und aus der Politik, auch vom SPD-Koalitionspartner. Carstensen musste die Jagd abblasen.

Aus Tierschutzsicht ist gegen eine Jagd wie die Hamburger nichts einzuwenden, sagt Wolfram Hartwich vom Landestierschutzverband. Es sei besser, an einem Tag mit vielen Jägern — wer immer sie seien — den Wildbestand in notwendigem Maß zu reduzieren, als dass ein einzelner Jäger das Wild an mehreren Tagen in Unruhe versetzt. Allerdings müssten sich alle an die Regeln der naturgerechten Jagd halten. Das sagt auch Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (Nabu). Es sei bei Staatsjagden schwierig, die Qualifikation der Jäger zu überprüfen.

Wolfram Hammer

 

Bericht im Spiegel 12/1995

An einem trüben Dezembertag des Jahres 1986 empfing der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, wie alljährlich, bewaffnete Erlauchte zur Senatsjagd in seinem holsteinischen Revier Alt-Erfrade. Das sonst so fröhliche Jagen wurde zum Fiasko.
Militante Tierschützer unter Führung der damaligen GAL-Bürgerschaftsabgeordneten Adrienne Goehler verscheuchten im Tann das Wild mit Tröten und Trillerpfeifen und attackierten die Jäger. Zwei Dutzend Unbewaffnete eines "Tierschutzkommandos" (Parole: "Mordmanns Heil") zerhackten tannengeschmückte Jagdstände der waffenstarrenden Senatsgäste zu Feuerholz.
 
Mopo 12/2013

Die Senats-Jagden der Hansestadt Hamburg sind abgeblasen. Die Bürgerschaft untersagte am Donnerstag einstimmig das seit den 90er Jahren unter der Regie der Wirtschaftsbehörde als geselliges Treffen von Politikgrößen und Wirtschaftskapitänen veranstaltete Töten von Wildtieren.

Staatsjagden gehören in die Zeit der Kaiser und Könige“, sagte die SPD-Umweltexpertin Monika Schaal und Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan betonte: „Es ist kein zeitgemäßes Politikverständnis, wenn Politiker und Wirtschaftsführer sich in einer Kungelrunde im Wald zum gemeinsamen Töten von Tieren treffen.“ Das passe vielleicht zu Franz Josef Strauß oder Wladimir Putin, nicht aber zur Hansestadt Hamburg.

Die Wirtschaftsbehörde veranstaltete bislang einmal im Jahr in der Revierförsterei Alt-Erfrade - Hamburgs Staatsforst im Nachbarland Schleswig-Holstein - eine Jagd und lud dazu stets Politiker und Wirtschaftskapitäne ein. Einzige Voraussetzung war ein gültiger Jagdschein. Wer genau an den Jagden teilnahm und an welchem Tag sie jeweils stattfanden, hielt die Behörde stets geheim. Zuletzt nahmen Medienberichten zufolge unter anderem Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), Kaffeehändler Albert Darboven und Airbus-Manager Andreas Sperl teil.

– Quelle: https://www.mopo.de/5147506 ©2017